Furz, 30 km/h

Din-Fart-bildbearbeitet

Es muss hier ja nicht immer Ernst sein, daher heute mal etwas anderes. Etwas, das uns schon hÀufiger auffiel, und ein anderer Blog hat es uns dann klar gemacht: DÀnisch ist eine bemerkenswerte Sprache.

Zumindest fĂŒr deutsche Ohren und Augen.

Vieles wirkt vertraut, als hĂ€tten Englisch und Deutsch irgendwann beschlossen, gemeinsam ein Kind großzuziehen, sich dann aber ĂŒber die Aussprache zerstritten und den Rest dem Zufall ĂŒberlassen.

Nach einigen Monaten erkennt unsere Familie inzwischen erstaunlich viele Wörter. Nicht unbedingt richtig. Aber erstaunlich viele.

Schon in einem der ersten BeitrÀge ging es um die Gefahr von Namenswitzen. Die wollten wir eigentlich vermeiden. Denn spÀtestens ab dem dritten Wortspiel wird aus Humor bekanntlich Fremdscham mit Anlauf.

Nun gibt es allerdings noch eine andere Kategorie unfreiwilliger Komik: Wörter, die in einer Sprache völlig harmlos sind und in einer anderen klingen, als hÀtte sich ein pubertierender Sprachwissenschaftler einen Scherz erlaubt.

Auf eines der schönsten Beispiele brachte uns der wunderbare Blog Danesplained, der seit Monaten zuverlĂ€ssig dafĂŒr sorgt, dass wir kulturelle Eigenheiten DĂ€nemarks entweder besser verstehen oder noch verwirrter zurĂŒckbleiben.

Din Fart

Wer durch Kopenhagen fĂ€hrt, begegnet regelmĂ€ĂŸig elektronischen Anzeigetafeln am Straßenrand. Die zeigen die aktuelle Geschwindigkeit an. DarĂŒber steht:

Din Fart

Auf DĂ€nisch bedeutet das schlicht:

Deine Geschwindigkeit.

Völlig normal.

FĂŒr DĂ€nen jedenfalls.

FĂŒr englischsprachige Menschen steht dort hingegen sehr deutlich:

Dein Furz.

Und plötzlich entsteht das Bild einer hochentwickelten Verkehrsgesellschaft, die an jeder zweiten Straße öffentlich die aktuelle Furzgeschwindigkeit dokumentiert.

Verkehrserziehung auf DĂ€nisch

Besonders beeindruckend ist dabei die Disziplin.

WĂ€hrend deutsche Verkehrsdiskussionen regelmĂ€ĂŸig an Tempolimits, Freiheit, Bevormundung und der Frage hĂ€ngen bleiben, ob 130 km/h bereits Sozialismus sind, zeigen die DĂ€nen ihren Furz einfach an.

29 km/h.

31 km/h.

32 km/h.

Alles sehr ordentlich.

Alles sehr regelkonform.

Wer einige Monate hier verbringt, stellt ohnehin fest, dass viele DĂ€nen Geschwindigkeitsbegrenzungen wirklich als Regel zur Einhaltung denn als kreative Herausforderung verstehen.

Das fĂŒhrt zu einem in Europa vermutlich einzigartigen Zustand:

Die meisten FĂŒrze bewegen sich zuverlĂ€ssig zwischen 30 und 50 Stundenkilometern.

Die eigentliche Überraschung

Das Erstaunlichste ist allerdings etwas anderes.

Nach einigen Monaten liest das Gehirn „Din Fart“ mittlerweile völlig selbstverstĂ€ndlich als „Geschwindigkeit“.

Die Irritation verschwindet.

Die Übersetzung lĂ€uft automatisch.

Die Integration schreitet voran.

Und dann passiert es doch wieder.

Aus dem Augenwinkel taucht eine dieser Anzeigetafeln auf.

Das innere Kind meldet sich zurĂŒck.

FĂŒr einen kurzen Moment.

Und denkt:

Beeindruckend. Der fÀhrt seinen Furz heute aber wirklich sehr kontrolliert.

GSV-Bauwagen

Und ja, das war mal ein bisschen pubertĂ€r heute. Entschuldigung. Aber wir hĂ€tten auch noch andere Dinge beschreiben können, zum Beispiel die Verwendung von AbkĂŒrzungen. Hej, es ist schrecklich heiß draußen in diesen Tagen.